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Pressestimmen

Symbiose aus Kunst und Handwerk

Geometrisch, klar, reduziert — die Stilsprache von Angela Katzy ist eine ganz eigene, persönliche …

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Autorin: Silke Martin, Fotografen: Andreas Tauber und Friedhelm Rettig, April 2011, Neuen Umschau Bucherverlag, ISBN-Nummer: 978-3-86528-486-0


Fantasievoll die Zukunft planen.

Zehntklässler der Pestalozzischule in Wiesdorf verliehen im Rahmen eines Kunstprojektes ihren Träumen Ausdruck - in Form von Ballons, die nicht zerplatzen sollen.

Schülerinnen und Schüler der Pestalozzi-Schule in Manfort

Ihren Träumen freien Lauf lassen konnten und sollten Schülerinnen und Schüler der Pestalozzi-Schule in Manfort. Das Ballon-Projekt sollte ihnen helfen, Vorstellungen für ihre Zukunft zu entwickeln. (Bild: Ralf Krieger)

Wiesdorf - Nicht mehr lange, dann ist es erstmal vorbei für sie mit der Schule. Eigentlich ein Grund zur Freude - wenn da nicht diese ungewisse Zukunft wäre. Was die bringt, das wissen Barbara Neuhaus oder Betül Portakal oder Antonio Vasilij (alle 16) aus der zehnten Klasse der Pestalozzi-Förderschule in Wiesdorf nicht. Aber sie haben Wünsche. Mitunter sogar sehr konkrete. Und genau darum haben sie sich in den vergangenen Tagen hingesetzt und einmal nicht Mathe oder Deutsch gepaukt. Nein. Sie haben aus Ballons aus Pappe gebastelt. Ballons, die Träume und Wünsche enthalten. Ballons, die nicht wie Seifenblasen zerplatzen sollen.

Barbara etwa hat in ihren Ballon alle Glücksbringer eingeklebt, die es so gibt: Cent-Stücke, rosarote Glücksschweine, vierblättrige Kleeblätter. "Ich möchte Verkäuferin werden", sagt sie und schaut durch eines der Gucklöcher hindurch. Demnächst fängt sie eine Ausbildung an. "Und dafür wünsche ich mir Glück." Ihre Freundin Betül hat sich beim Basteln ihres Ballons dagegen eines Flaschengeistes erinnert. Wie der Name schon sagt, leben die ja in Märchen normalerweise in Flaschen - und erfüllen ihrem Besitzer Wünsche. Betül hat sich nun einfach vorgestellt, einer würde in ihrem Ballon hausen. Dargestellt hat sie den Geist durch viele bunte Stoff-Wölkchen, die aus dem Innern zu entweichen scheinen. "Mein Ballon soll zeigen, dass ich mir eine gute Zukunft wünsche", sagt sie. Auch sie will Verkäuferin werden. Auch sie beginnt bald eine Ausbildung. Auf Antonios Ballon dagegen klettern Playmobil-Männchen herum, während im Innern Gummibärchen an Seilen hängen und schaukeln. "Ich möchte Kindergärtner werden", sagt er. Also ist das Plastikmännchen Antonio. Und die Gummibärchen sind die von ihm vielleicht irgendwann einmal zu beaufsichtigen Kinder.

Es war die Kölner Goldschmiedemeisterin, Kunstschaffende und Kulturpädagogin Angela Katzy, die - mit finanzieller Unterstützung durch den Lions-Club Leverkusen - Barbara, Betül, Antonio und acht weitere Pestalozzischüler dazu brachte, ihren Träumen Ausdruck zu verleihen. Bei den anderen Jugendlichen hängen die Ballons dabei voller Noten (weil jemand Musiker werden will), voller Metalldrähte (weil jemand mit Metall arbeiten möchte) oder ausgesägten Holzhäusern (weil jemand das Holzhandwerk erlernen möchte). "Es ist wichtig, dass die Kinder wissen, was sie wollen und das zeigen können", sagt Katzy. "Und es wichtig, dass sie immer an ihre Träume glauben. Dass sie immer wieder aufstehen, wenn sie mal hinfallen."

Anfangs, erinnert sich Barbara, sei sie noch etwas skeptisch gewesen, ob das so klappe mit diesem Ballon-Projekt. Aber wenn man - wie es Antonio sagt - "einmal die Fantasie spielen lässt", dann gehe das wie von selbst. Angela Katzy hat sie fünf Tage lang gepackt. Hat ihnen noch einmal klargemacht, wie wichtig Träume sind. Und dafür sind ihr nicht nur die elf Jungen und Mädchen dankbar - sondern auch Schulleiterin Maria Yüksel. "Es war toll, die Jugendlichen so aufblühen zu sehen", sagt sie. Und hat selber einen Wunsch: "So etwas soll auch im nächsten Jahr wieder stattfinden bei uns." Dann stehen Barbara, Betül und Antonio vielleicht schon fest im Berufsleben - und haben sich ein paar ihrer Träume erfüllt.

Frank Weiffen, Leverkusener Stadtanzeiger, 23.03.09


Sat 1 – 04. Mai 2007 – 17:30 Uhr

Reportage über das Atelier K und die Fertigung der Médaille Charlemagne


Presse- und Informationsbüro, Der Oberbürgermeister, Stadt Aachen, 30.04.2007

Aachener Designerin Angela Katzy fertigt "Médaille Charlemagne"

Wenn am kommenden Freitag, wie bereits berichtet, im Krönungssaal des Aachener Rathauses im Rahmen der diesjährigen Verleihung des Europäischen Medienpreises Médaille Charlemagne pour les Mèdias Européens" die Karlsmedaille an die Stiftung Berliner Philharmoniker übergeben wird, werden die Vertreter der Preisträgerin ein edel gearbeitetes Kunstobjekt in Händen halten können, das von einer inzwischen in Köln arbeitenden Aachener Goldschmiedin und Designerin gefertigt wurde.

Die Designerin Angela Katzy, die in Aachen auch zur Goldschmiedin ausgebildet wurde und ein Studium an der Akademie für gestaltende Handwerke in Aachen absolvierte, hat die Medaille mit einem Durchmesser von 100 Millimetern aus 925er Silber gearbeitet. Auf eine silbernen Grundplatte hebt sich das Karlsmonogramm ab, wobei der so genannte Vollziehungsstrich, mit dem Karl der Große einer Unterschrift gleich das Monogramm vollendete, aus einem Lapis Lazuli besteht, der in 750er Gelbgold gefasst ist.

Die Meisterdesignerin Katzy hat mit Bedacht Edelmetalle verwandt, um die Wertigkeit des europäischen Einigungswerkes deutlich werden zu lassen und um die Gewichtung des Projektes zu symbolisieren.

Das Karlsmonogramm selbst besteht aus den in Kreuzform angeordneten Buchstaben des lateinischen Wortes für Karl – Karolus –, geschrieben allerdings nicht mit dem üblichen lateinischen C, sondern mit dem fränkischen Buchstaben K. Hierdurch sollte wohl symbolisiert werden, dass das Erbe des römischen Reiches auf das Frankenreich übergegangen ist.

Alle Vokale des Wortes Karolus müssen aus der Mitte gelesen werde. Die Anordnung des Karlsmonogramms in Kreuzform sollte nicht allein den für die Grundlegung des karolingischen Reiches charakteristischen Bezug zum Christentum unterstreichen, sondern darüber hinaus wohl auch signalisieren, dass der Frankenkaiser sich als erste Person der Christenheit betrachtete.

Heute kann das Karlsmonogramm als europäisches Symbol gelten. So kann etwa die Medaillenmitte auch als offenes Fenster gesehen werden, dass die Offenheit des gemeinsamen europäischen Hauses versinnbildlicht.

Die Karlsmedaille ist der zweite Preis, der von Angela Katzy geschaffen wurde. Der von Stadt Frankfurt, der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Dresdner Bank verliehene Walter-Hallstein-Preis, der für Leistungen zur Entwicklung der Europäischen Union als Friedensordnung vergeben wird, wurde ebenfalls von ihr entworfen.

Die Karlsmedaille wird am kommenden Freitag, 4. Mai 2007 um 17.00 Uhr im Krönungssaal des Aachener Rathauses vergeben.

Alexander Lohe


"Kunsthandwerk & Design", 6/2005

Monumental im Kleinformat. Der Schmuck von Angela Katzy.

Ihr Meisterstück, ein rahmender Halsschmuck, der in seiner Sperrigkeit an die Halskonstruktion von mittelalterlichen Kettenhemden erinnert, wurde von der Prüfungskommission für untragbar gehalten. Angela Katzy trägt dieses Schmuckstück aus Gelb- und Weißgold mit auswechselbaren farblich unterschiedlichen Turmalinen zu jeder sich bietenden Gelegenheit und beweist damit, dass streng, fast technisch konstruierter Schmuck durchaus weiblich schmückend sein kann. Für sie ist er nachhaltig, weil gedanklich durchdrungen, und zeigt ihre Schmiedehandschrift auf fast ideale Weise.

Angela Katzy (geboren 1965 in Aachen) ist im besten Sinne des Wortes eine Gold- "Schmiedin". Ihre Arbeiten zeichnen sich durch klare Linien, schlichte Formen und natürlich edelste Materialien aus. Sie sind trotz ihres funktionsbedingten kleinen Formats, das der tragbare Schmuck vorgibt, monumental in der Wirkung. Sie sind deshalb auch problemlos in raumfüllende Werke transponierbar. Das zeigte hervorragend ihre Examensarbeit, die sie 1992 an der Akademie für Handwerksdesign in Aachen anfertigte. Diese Arbeit trug den Titel "Konstruktion – Intuition. Basis – Rechteck". Sie ist begehbar und "trag"- bar, sie schmückt die Person und den Raum. Das Rahmenmotiv des Meisterstücks findet hier seine Kongruenz. "In meinen Arbeiten gibt es immer konstruktive Elemente, die Transparenz und die Kontinuität, aber auch Intuition erkennen lassen." Konstruktion und Intuition ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Oeuvre von Angela Katzy.

Zeigt sich das Element "Konstruktion" vor allem in der gestalterischen Ausformung der einzelnen Stücke – so zum Beispiel bei der Arbeit "Coordination of the Origin", einem Silberring für die Ausstellung "Ursprung" des Forums für Schmuck und Design e.V. (vergl. K&D 1/05) -, kommt die Intuition unter anderem bei dem Medaillon aus Palladium, Silber, Acrylglas und vier cognacfarbenen Brillanten, das sie auf der Landesausstellung "manu factum 05" in Dormagen – Zons zeigte (vergl. K&D 5/05) hervorragend zum tragen. Wie dieses Medaillon hat auch der Anhänger "Das Tötlein tanzt mit" aus Silber, Kupfer und Feingold aus der Ausstellung "memento mori" des o.g. Schmuckforums (1998-2000) zwei Seiten, die unbedingt stets gezeigt werden müssen, weil sie nicht identisch sind.

Schmuck ist – wie schon gesagt – kleinformatig. Während ihres Studiums nach Lehre und Gesellenzeit an der Akademie in Aachen gestaltete sie gemeinsam mit einem Kommilitonen erstmals eine große Installation im überdachten Torbogen des historischen Gutes Rosenberg, in dem sich heute die Akademie befindet. Diese Installation "Angriff und Verteidigung" bestand aus Papierflügeln und Schnüren. Sie war dem Wind aus der Nordeifel ausgesetzt, der sie ständig attackierte. Werden – Sein – Vergehen wurden für die Studenten so unmittelbar erlebbar. Gleichzeitig war es für Angela Katzy eine wichtige Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Innenraum zu Außenraum.

Die Genauigkeit, der sie sich im kleinen Format unterwirft, kommt nach Angela Katzys Meinung von den Arbeiten im Großen. Die großen Arbeiten vermitteln ein anderes Raumgefühl und erlauben ihr einen freieren Umgang mit dem Material, der dem Kleinen im nachhinein zugute kommt. Ein gutes Beispiel hierfür ist ein aus Weißgold geschmiedeter Ring mit einem Indigolith und einem kleinen Brillanten, begleitet von einer Kette aus Indigolithen in Halbschliff mit Weißgoldelementen. Dem ungewöhnlichen Stein entspricht die strenge asymmetrische Konstruktion des Ringes. Vergleichbares gilt auch für den Anhänger aus einem beweglichen Aquamarin im Halbschliff mit Brillant und grauer Südseeperle. Auch hier beherrscht die perfekte Konstruktion das edle Material.

Ungewöhnliche Materialkombinationen reizen Angela Katzy immer wieder, so zum Beispiel bei einem Ring in Silber teilweise mit Feingold belegt und auswechselbaren Plexiglaseinsätzen in orange und grün. Hier ergänzen sich strenge Konstruktion, hartes Grundmaterial und warmes Plexiglas kongruent zu einem Schmuckstück von herber Schönheit. Es schließt nahtlos an einen Ansteckschmuck aus Silber, Gold und Plexiglas an, mit dem sich Angela Katzy bereits 1993 an der "manu factum" beteiligte.

Angela Katzy hat im Laufe der Jahre festgestellt, dass auch Männer, die anfangs desineressiert sind an Schmuck, sich für ihren Schmuck interessieren. Sie zeigen sich fasziniert von den konstruktiven Elementen, den ehrlichen Materialien und der gekonnten Verarbeitung. Angela Katzy liebt den direkten Kontakt zu den Kunden im Gegensatz zum anonymen Galerieverkauf. Denn, so sagt sie: "Schmuck ist emotional." Da sie keinen eigenes Ladenlokal hat – auch nicht haben will –, zeigt sie ihre Arbeiten vor allem in ihrem Atelier hoch über den Dächern von Nippes und auf Ausstellungen, die sie persönlich betreut. Für den Europäischen Kunsthandwerkermarkt in Aachen hat sie sich eigens einen Stand entworfen und gebaut, der ein Zwischending zwischen Schmuckkästchen und Schmuckstück ist, auf jeden Fall aber ein Hingucker im Marktgeschehen.

Angela Katzys Vorliebe für Arbeiten im großen Maßstab zeigt sich nicht zuletzt in der Gestaltung von Preisen in Form von Stelen oder Medaillen, wie dem Walter Hallstein Preis für Verdienste um die europäische Integration sowie dem Aachener Charlemagne Preis für Medien. Ein weiterer Preisentwurf, der Jürgen Ponto Preis für kulturell integrativen Journalismus, ist leider nicht zur Ausführung gelangt, da die Veranstaltung nicht zustande kam und der Preis nicht vergeben wurde.

Wenn Angela Katzy – aus einer Politikerfamilie stammend – sich mit der Entwicklung solcher Preissymbole auseinandersetzt, steht für sie die Umsetzung und Illustrierung des politischen Gedankens, der dahinter steckt, im Vordergrund. Zum Walter Hallstein Preis zum Beispiel hat sie geschrieben: "Die Stelen präsentieren sich in gelassener Erhabenheit. Durch die klare Formensprache nimmt das Auge primär den harmonischen Farbklang aus hellem warmen Holz, dunklem Eisen und edlem Blattgold auf ruhige Weise wahr. Der Betrachter kann jedoch keinen Ruhepunkt ausmachen, denn die so wahrgenommene Einheit entsteht aus einer fordernden Vielfalt. Die Streben unterscheiden sich in ihren Dimensionen: sie sind schmäler oder breiter, dicker oder dünner und wachsen unterschiedlich hoch hinaus. Die Wertschätzung jedes einzelnen Profils wird durch das Blattgold unterstrichen. Aus einem sichtbar offenen System ragen die Stelen empor: Plätze werden bewusst eingenommen, andere sind (noch) frei geblieben: Mit jeder eingefügten Eisenplatte wächst das Gewicht nicht nur der Skulptur ..."

So wie sich die Preisstelen und Medaillen durch eine gleichwertige Durchgängigkeit und Feintöne auszeichnen, tun dies selbstverständlich auch alle Schmuckstücke, die das Atelier von Angela Katzy verlassen. Dabei fördern Brüche in der Symmetrie den Reiz der Objekte, sie erzeugen Spannung, die ihre Entsprechung in der Verarbeitung findet. Bei aller Verschachtelung der Bezüge bilden sie jedoch stets inhaltlich wie formal eine Einheit.

Antje Soléau


Einführung im Katalog zur Wanderausstellung "Ursprung" des Forums "Schmuck und Design"

über einen großen Unbekannten: den Ursprung

Die Suche nach dem Ursprung greift oft ins Leere. Gilt es doch ein Phänomen aufzuspüren, dessen Existenz wir nur durch die von ihm ausgelöste Folge erahnen können. Immer muß es noch einen Schritt geben, der vor dem von uns definierbaren Raum liegt und deshalb in einen geheimnisvollen Nebel gehüllt und rätselhaft bleibt. Mehr als eine Annäherung an den Ursprung erlangen wir nicht.

Nun ist aber die Frage nach dem "Wieso Weshalb Warum" für den Menschen eine wesenhafte. Sie begründet – neben anderen Faktoren – ganz entscheidend seine Lebensweise, seine Kultur. Um die Welt und uns in ihr zu begreifen, schauen wir nach hinten und suchen den Ursprung allen Seins. Indem wir uns auf diese rückwärts gerichtete Suche begeben, mit stetig hinzukommenden Erkenntnissen, gestalten wir vorwärts gerichtet unsere Zukunft. Da treffen zwei entgegengesetzte Richtungen aufeinander. Wie zwei Pole, die, obwohl sie nie zueinander kommen werden, sich dennoch bedingen. Ein Spannungsfeld mit unglaublicher Energie und Dynamik existiert hier und treibt den Menschen unaufhörlich an.

Es gibt einen persönlichen Ursprung. Individuell hat jeder Mensch seine eigene familiäre und geographische Herkunft. Die Prägung, die wir dadurch erfahren hält ein Leben lang.

Daneben gibt es ein öffentliches, gesellschaftliches Umgehen mit dem Thema, und auch dieser Einfluss wirkt auf uns. Naturwissenschaftler forschen nach dem Ursprung des Weltalls und bilden durch Zählen und Messen die unterschiedlichsten Hypothesen. Mit theologischen Erklärungen äußern sich die verschiedenen Religionen zur Entstehung der Welt. Der Ursprung ist ein zentrales Thema der Philosophie, dem sich die Theoretiker zu jeder Zeit gewidmet haben. Wo und wie beginnt Leben ist eine Frage, die durch Stammzellenzüchtung und Genveränderung neue Dimensionen erhält. Wird der Begriff Ursprung in der Werbung verwendet, so bezeichnet er meist Wertvolles und Authentisches. Die Mathematik definiert den Ursprung als eindeutigen Punkt im Koordinatensystem, einem rationalen Zahlengebäude.

Bei allen, die sich mit diesen Gedanken beschäftigen, wird sichtbar, daß die Antworten eng an Wertungen geknüpft sind, ja sie erfordern. Wie grundlegend sich diese Wertvorstellungen auf unser Leben auswirken, wird deutlich, wenn sie erschüttert werden. Das war im 15. Jahrhundert so, als Kopernikus die christliche Weltvorstellung von der Erde als Zentrum der Welt erheblich ins Wanken brachte. Seine Erkenntnis, daß die Erde eine um die Sonne rotierende Kugel ist, stieß damals auf erbitterten Widerstand, inzwischen haben wir sie verinnerlicht. Heute verunsichern andere Entwicklungen den ganzen Globus. Die sich abzeichnenden Möglichkeiten des Klonens lassen vermuten, daß die Menschen sich zukünftig mit einer ungewohnten Art von Abstammung zurecht finden müssen. Unausweichlich sind wir mit solchen Veränderungen konfrontiert, denn "die Erde dreht sich doch"...

Kunst kann ein sensibler Seismograph für solch einschneidenden Wandel sein, indem sie Strömungen früh wahrnimmt. Exemplarisch erwähnt sei hier Aldous Huxleys Roman "Brave New World" in dem er schon zu einem unglaublich frühen Zeitpunkt die Auswirkungen des Informationszeitalters skizziert.

Das auch Schmuck ein besonders sensibles, künstlerisches Ausdrucksmittel sein kann, zeigt die 8. Mitgliederausstellung des Forums für Schmuck und Design. Hier ist die Grenze zwischen Angewandter und Freier Kunst durchlässiger denn je geworden, für viele existiert sie nicht mehr. Blicken wir zurück auf den Ursprung des Schmuckschaffens und Tragens, so wird die eng Verbindung des Menschen zu seinem Schmuck deutlich. Ausgrabungsstätten an denen man auf Spuren menschlichen, kultivierten Lebens trifft, sind immer auch Fundstätten von Schmuck. Daran wird deutlich, wie ursprünglich das Bedürfnis des Menschen ist, sich zu schmücken. Es ist aufschlussreich, auf welche Art Frauen und Männer durch die Jahrhunderte hindurch diesem Urbedürfnis nachkommen. Schmuck konnte dabei schon immer eine Funktion haben, die über das rein Dekorative hinausging. Amulette schützen vor dem bösen Blick, Diademe und Orden machen den gesellschaftlichen und militärischen Rang deutlich, Trauringe zeigen den persönlichen Stand. Trauerschmuck - dem sich die 6. Mitgliederausstellung des Forums widmete - wurde als Andenken und Würdigung eines Verstorbenen getragen. Eine Vielzahl von Schmuckstücken sind Träger ganz persönlicher Botschaften.

Eine aktuelle Aussage zum Thema Ursprung haben 99 Schmuckschaffende formuliert. Die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler aus 10 Ländern eröffnen mit ihren Arbeiten einen sehr facettenreichen Blick auf das Thema Ursprung. Dabei reicht das Spektrum von humorvollen bis ernsten, von rationalen bis emotionalen Werken. Gerade diese Mischung macht die Ausstellung für den Betrachter so reizvoll.

Den Urknall gestaltet Eva Lohage in einer Kette: explosiv entsteht Wertvolles, dargestellt durch Vulkangestein und Blattgold angeordnet um ein Loch, denn auf die Frage "was war vor dem Urknall?" bleibt doch nur das Nichts.

Christiane Scheu erscheint die Diskussion um den Ursprung sinnlos und sie unterstreicht dies mit ihrem Halsband "Huhn oder Ei". Gearbeitet hat sie in Silber eine Reihung aus stilisierten Hühnern, die sie im Wechsel mit Eiern anordnet. "Was war zuerst: Huhn oder Ei" ist Motto mehrerer Arbeiten und es läßt einen schmunzeln, mit wieviel Witz man sich dem Ursprung nähern kann.

Linus Roeder geht da anders vor: sein Objekt "Spatengriff" vermittelt Ernsthaftes, die Anstrengung den Ursprung frei zu schaufeln.

Wie die Religionen Antworten geben, zitieren unterschiedliche Arbeiten. Stellvertretend sei die Arbeit von der Schweizerin Beatrice Benedetti "Die Anziehung zwischen Adam und Eva" erwähnt. An dieser Arbeit wird sichtbar, wie durch die Auswahl des verwendeten Materials der Inhalt verdeutlicht werden kann. Bendetti verwendet unter anderem Magnete in ihrem Anhänger.

Die hauchdünne Art, in der Ewa Doerenkamp das Feinsilber für ihre Kette "Zeitloser Zeitträger" schmiedet, macht durch gerade diese Bearbeitung bewußt, wie fragil das Thema sein kann.

Und eben dadurch fühlt man sich grob gestoßen, wenn in unterschiedlicher Weise auch die harten Fakten, die diesem Thema ebenso innewohnen, behandelt werden. In der Ausstellung weisen einige Beiträge darauf hin. In ihrer Arbeit "Clone your friend" macht die österreicherin Ursula Guttmann deutlich, in welche Schwierigkeiten uns die Entwicklungen der Medizin bringen. Harte Wirklichkeit, wenn auch aus ganz anderem Blickwinkel, führt Dominique Labordery aus Belgien vor, wenn sie mit ihrer Arbeit "Origin of Crime" auf die Kriminalität und Ausbeutung aufmerksam macht, die ihre Wurzel im Abbau und Handel mit Diamanten hat.

Die hier angeführten Arbeiten beschreiben einen kleinen Ausschnitt der diesjährigen Ausstellung des Forums für Schmuck und Design. Der Rundgang wird zu einer wertvollen Reise, auf der sie abenteuerliche und bereichernde Eindrücke gewinnen können. Sie werden auf vielen neuen Wegen um den Ursprung kreisen ohne den Zauber und die Herausforderung des Ungewissen zu verlieren.

Angela Katzy, Schmuck und Objektdesign, Köln

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